Dr. Aimé Manga, Retter vergewaltiger Frauen in Goma
Ruth Alonga 10.November 2025
Aimé Manga ist Gynäkologe und behandelt Frauen, die im Krieg in Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo vergewaltigt wurden. Dr. Aimé Manga bei der Operationen eines Vergewaltigungsopfers in Goma, im Osten der DR Kongo. Foto: Ruth Alonga/DW
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Während die Stadt Goma versucht, zur Normalität zurückzukehren, wird still und leise ein weiterer Krieg geführt: der Krieg der sexuellen Gewalt.
In den Außenbezirken der Stadt, wo die Sicherheitslage nach wie vor unsicher ist, leiden viele Frauen weiterhin unter extremer Gewalt, darunter Vergewaltigungen und sogar Genitalverstümmelungen.
Diese Gewalt, die oft nachts von bewaffneten Männern ausgeübt wird, hinterlässt gebrochene Körper und zerrüttete Seelen.
Doktor Aimé Manga hat es sich zur Aufgabe gemacht, das wiederherzustellen, was der Krieg zerstört hat. Er ist Gynäkologe am Rehema-Krankenhaus in Goma und behandelt Opfer sexueller Gewalt und weiblicher Genitalverstümmelungen kostenlos.
Im Rehema-Krankenhaus empfängt Dr. Aimé Manga vergewaltigte und traumatisierte Frauen. Er hat sich entschlossen, sich ganz der Wiederherstellung der Gesundheit ihres Körpers und ihrer Seele zu widmen, kostenlos, ohne Finanzierung und aus reinem Herzensgutes.
"Auch wir Ärzte haben in gewisser Weise ein psychologisches Trauma erlitten. Aber was können wir tun? Wenn wir diese Frauen behandeln, tun wir das mit großer Sorgfalt, weil wir uns sagen: Jetzt oder nie", so Dr. Manga.
Vergewaltigungen im Osten der DR Kongo nehmen zu . Dr. Aimé Manga mit seinem Team, bereit für die Operation einer vergewaltigten Frau im Oster der DR Kongo. Foto: Ruth Alonga/DW
Seit Beginn des Krieges im Osten der Demokratischen Republik Kongo haben Vergewaltigungen alarmierend zugenommen und werden oft als Kriegswaffe eingesetzt.
Laut Angaben von Mitarbeitern des Gesundheitswesens gibt es nun jedoch eine neue Form der Gewalt: die Genitalverstümmelung von Frauen. Der Psychologe Prince Amani erklärt, dass jeden Monat 15 bis 20 Frauen Opfer von Genitalverstümmelung werden.
Im Duchschnitt werden jeden Monat mehr als 20 Frauen, die beschnitten oder vergewaltigt wurden, im Rehema-Krankenhaus behandelt. Nach der Operation erhalten sie psychologische Beratung, der erste Schritt zu einer echten Heilung.
Seit der EInstellung der Finanzierung durch die US-Hilfsorganisation USAID ist der Zugang zu wichtigen Hilfsgütern wie Präexpositionsprophylaxe-Medikamenten (PREP) extrem schwierig geworden. Diese Medikamente werden eingesetzt, um HIV-Infektionen, ungewollte Schwangerschaften und andere Infektionen bei Vergewaltigungsopfern zu verhindern. Dr. Aimé sagte, dass sie nun gezwungen sind, alternative Methoden anzuwenden.
"Wenn eine Frau vergewaltigt wird, ist es wichtig, ihr PREP zu verabreichen, um eine Schwangerschaft oder Infektionen wie HIV zu verhindern. Da wir derzeit keine PREP-Medikamente haben, verwenden wir ARV-Medikamente, um eine HIV-Infektion zu verhindern. Außerden geben wir Antibiotika, um andere Infektionen zu verhindern, und Notfallverhütungsmittel" erklärte der Arzt.
Die Kampagne steht vor verschiedenen Hindernissen
Ohne nachhaltige Finanzierung und angesichts der eingeschränkten humanitären Aktivitäten nach der Einstellung der USAID-Unterstützung und der Schließung des Flughafens von Goma ist die Verteilung von Medikamenten zu einer großen Herausforderung geworden. Dennoch setzt Dr. Aimé Manga jeden Tag seine lebensrettende Arbeit im Osten der DR Kongo fort.
Im Operationssaal arbeiten seine Hände mit ruhiger Präzision
Jede Operation ist ein Versuch, Würde wiederherzustellen. Heute befindet sich eine neue junge Patientin, die beschnitten wurde, im Operationssaal. Bei einem Mädchen dauerte die Operation beispielsweise über eine Stunde, da sie an einer Fistel litt.
"Wir haben über eine Stunde gebraucht. Eine Stunde ist eine lange Zeit, aber eine Frau sollte nicht in Eile sein. Alles muss langsam gemacht werden, von Anfang bis Ende", erklärte Dr. Aimé Manga.
Frauen, Kinder und andere Zivilisten aus dem Osten des Kongo, die Hilfe suchen. Foto: Alexis Huguet/AFP
Die 18-jährige Amina wurde auf dem Heimweg vom Markt von fünf bewaffneten Männern vergewaltigt. Diese schreckliche Erinnerung lässt sie nicht los.
"Ich habe den Tod mit eigenen Augen gesehen. Im Haus befanden sich zwei Jungen, die mit einem Hammer erschlagen worden waren. Dieser Vorfall bricht mir das Herz, und wenn ich weine, verlässt mich meine Kraft", sagte die Frau.
Die 32-jährige Beatrice, die vor einer Woche operiert wurde, kann nun wieder lächeln: "Dank Doktor Aimé habe ich meinen Glauben zurückgewonnen. Ich weiß, dass ich eines Tages wieder so laufen werde wie früher. Kein Schmerz wird mich jemals wieder besiegen."
Hinter den Statistiken und Berichten in Goma stehen echte Menschen, verwundete Körper, aber auch Frauen, die wieder aufstehen. Frauen, die sich weigern, sich von den Schmerzen, die sie erlitten haben, gefangen nehmen zu lassen. Und es gibt Menschen wie Dr. Aimé Manga, die jeden Tag unermüdlich und mit wenig Unterstützung weitermachen, zuhören, heilen und das Leben dieser Frauen wieder aufbauen.